Politische Frage der Woche: Berufszufriedenheit Lehrpersonen
In Liechtenstein hat jede dritte Lehrperson an einer Berufszufriedenheitsstudie teilgenommen. Darin wurde die allgemeine Gesamtsituation gerade mal mit der Note «genügend» bewertet. Die integrative Förderung zieht die Berufszufriedenheit nach unten, für die Lohntransparenz werde wenig getan und die Erholungszeit komme zu kurz. Über ein Drittel der Befragten antworteten mit Nein auf die Frage, ob sie den Lehrberuf einem nahestehenden jungen Menschen weiterempfohlen würden. Auch die Frage, ob sie heute nochmals Lehrer oder Lehrerin werden würden, verneinte ein knappes Viertel der Teilnehmenden.
Was kann gegen die Unzufriedenheit der Lehrpersonen getan werden?
Die Befragung förderte zu Tage, dass der Bereich Öffentlichkeit mit einer Note von 3.3 am schlechtesten bewertet wurde. Dabei geht es offenbar vor allem um die Wahrnehmung des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit. Als ehemaliger Lehrer kann ich diese Bewertung absolut nachvollziehen. Nachdem der Beruf vor fünfzig und mehr Jahren noch ein hohes, zum Teil überhöhtes Ansehen genoss, hat sich die Wahrnehmung ins Gegenteil verkehrt. Als Lehrperson muss man sich allerhand anhören und gerät nicht selten unter Druck, sich rechtfertigen zu müssen. Ammenmärchen über unendlich lange Ferien und Freizeit im Überfluss halten sich hartnäckig. Der an sich sehr spannende und erfüllende Beruf ist viel anspruchsvoller, als sich Aussenstehende vorstellen können. Integrative Förderung, individualisierter Unterricht, Bildungsreformen in immer kürzeren Abständen sind Herausforderungen, mit denen die Lehrpersonen konfrontiert sind. Dazu kommt, dass immer mehr erzieherische Aufgaben an die Schule delegiert werden. Die Erwartungshaltung der Elternschaft und der Gesamtgesellschaft ist hoch. Dass Wertschätzung einen erheblichen Einfluss auf die Zufriedenheit im Beruf hat, ist allgemein bekannt. Hier können wir alle einen Beitrag leisten, um die Lehrerschaft positiv zu bestärken.
Der Staat hat die Aufgabe, für die grossen Herausforderungen des Bildungswesens die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen und eine Bildungspolitik zu betreiben, die es den Lehrpersonen ermöglicht, den Schulalltag zu bewältigen. Eine gute Schulinfrastruktur, genügend und bestens ausgebildetes Personal sowie eine funktionierende Verwaltung kosten viel Geld. Diese Investitionen dürfen deshalb niemals in Frage gestellt werden.
Daniel Walser, Vorstandsmitglied der Freien Liste