Sozial 13. Juni 2024

Politische Frage der Woche: Casino Sperrlisten

Das Abkommen zum Austausch von Sperrlisten zwischen Liechtenstein und der Schweiz tritt Anfang 2025 in Kraft. Fast zwei Drittel der Casinobesucher in Liechtenstein wohnen in der Schweiz. Gemäss Markus Kaufmann, Präsident des Casinoverbandes, ändere dies kaum etwas. Laut der Eidgenössischen Spielbankenkommission dürfte nur bei einer geringen Anzahl von gesperrten Personen tatsächlich ein problematisches Spielverhalten vorliegen. Viele werden gesperrt, weil sie den Casino-Verantwortlichen ihre finanzielle Situation nicht offenlegen wollen. Auf lange Sicht fürchtet Kaufmann, dass Spielsüchtige ohnehin nach Bregenz, Lindau oder Konstanz ausweichen werden. Zudem gäbe es im Internet oder Hinterzimmern von Lokalen praktisch keine Reglementierungen. 

Ist durch den Austausch von Sperrlisten mit der Schweiz genug getan?

Zunächst soll gesagt sein, dass man sich mit dem Scheinargument von „Hinterzimmern in Restaurants“ oder Online-Geldspielen nicht aus der Verantwortung ziehen kann. Dass der Casinoverband nicht gut auf den Sperrlistenaustausch reagiert, spricht für die Wirksamkeit der Massnahme. Das Suchtpotenzial von Glücksspiel in Casinos ist real und darf nicht kleingeredet werden. Auch in Liechtenstein gibt es einige Personen, die von Spielsucht betroffen sind und entsprechend nur schwer vom Geldspiel wegkommen — auch wenn die eigene finanzielle Sicherheit und das psychische Wohlergehen auf dem Spiel steht. Detaillierte Schutzkonzepte und intensive Kontrollen der Einrichtungen sind unverzichtbar. Der Sperrlistenaustausch ist deshalb ein längst überfälliger Schritt. Ein weiterer wäre der Abschluss eines gleichen Abkommens mit Österreich.  Und auch damit wäre das Problem nicht restlos behoben.

Liechtenstein hat vor einigen Jahren die rechtlichen Voraussetzungen für eine florierende Casino-Landschaft geschaffen. Jetzt gilt es, Verantwortung dafür zu übernehmen. Das bedeutet in erster Linie mehr Prävention für vulnerable Gruppen, gerade Kinder und Jugendliche. Wer sein Kind heute zum Fussballtraining begleitet, kommt nicht nur an zwei Casinos vorbei, sondern auch an zahlreichen Werbungen. Sei es auf Bussen, Strassenreklamen, Banden an den Sportplätzen oder auf den Trikots der Erwachsenenteams — Kinder und Jugendliche sind täglich mit Geldspiel konfrontiert, auf dem Schulweg und in der Freizeit. Mindestens eine Werbebeschränkung wäre deswegen sicher angemessen. Ausserdem sollten Beratungsstellen und Hilfeangeboten, wie etwa „Suchtprävention Liechtenstein oder SOS-Spielsucht in der Schweiz, weiter gefördert werden.

Valentin Ritter, Vorstandsmitglied der Freien Liste